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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Wenn es um Karriere geht, glaube ich nicht an Glück

Dr. Stefanie Granado, Geschäftsführerin Shire Switzerland GmbH und ab Februar 2018 Cluster Head Spanien und Portugal, spricht über Karriere, seltene Krankheiten und weshalb jeder im Wandel seine „ruhige Insel“ finden sollte.

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?
In meinem Klassenkameraden-Album aus der Primarschule steht beim Berufswunsch: Managerin und Stewardess. Eine Managerin stellte ich mir wie die Dame aus der DREI WETTER TAFT Werbung vor.

Sie haben wohl Nägel mit Köpfen gemacht. Heute sind Sie Geschäftsführerin der Shire Switzerland GmbH. Und ab Februar 2018 Cluster Head Spanien und Portugal. Folgten Sie einem konkreten Karriere-Plan?
Nein, ich besitze schliesslich nicht den geradlinigsten CV. Ich könnte auch nicht sagen, ob Planung die richtige Vorgehensweise ist. Am besten man überlegt sich, ob man dort steht, wo man sich selbstwirksam fühlt. Dort, wo man etwas bewegen und etwas lernen kann.

Wie kam es, dass Sie heute diese Funktion ausüben?
Vieles verdanke ich meinen Mentoren, die an mich glaubten, mich unterstützten und mir Chancen boten.
Ich war einerseits offen, diese Chancen zu packen. Und zwar nicht nur solche, die wie im Lehrbuch nach oben führen – es lohnen sich auch horizontale Bewegungen. Andererseits ging mir plötzlich ein Licht auf: eigentlich kochen alle mit Wasser. Gerade als Frau soll und muss man sich etwas zutrauen, damit man vorankommt.

Gehört auch Glück zu einer solchen Karriere?
Türen öffnen sich gelegentlich ohne eigenen Einfluss – eine Funktion wird frei. Trotzdem: In diesem Kontext glaube ich nicht an Glück. Für Karriereschritte braucht es Vorarbeit. Karriere hängt mit Leistungen zusammen, die man über Jahre erbracht hat – und dem Vertrauen, die einem andere deshalb entgegenbringen.

Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Eine kritische Situation, so finde ich, stellt die Anfangsphase in einer neuen Rolle dar. Man klammert sich an Inhalten fest. Ich verlor dabei den Blick auf das Team rundherum. Bitteres Key Learning: Ein wertvolles Teammitglied hat uns verlassen.

In der Schweiz sind Frauen im Topmanagement langsam auf dem Vormarsch, gehören aber noch immer zur Minderheit. Wie sieht die Bilanz bei Shire aus?
Bei Shire International arbeiten sehr viele Frauen im Top-Management, mein Team besteht mehrheitlich aus Frauen. Gerade kürzlich traf sich an unserem internationalen Standort in Zug eine rein weibliche Top-Leadership Runde zum Gespräch. Das Mittagessen nahmen wir zum Anlass, um zu reflektieren: zu unseren Anfangszeiten standen wir als Frau oft alleine da – heute hat sich das Blatt gewendet. Was bedeutet das nun beispielsweise für unsere Meetingkultur?

Kann man daraus schliessen, dass es in Ihrer Branche gar nicht mehr nötig ist, Frauen speziell zu fördern?
Doch, nach wie vor besteht der Bedarf. Die Lage hat sich jedoch zum Positiven verändert: Diversität ist vielerorts selbstverständlich geworden. Und wir Frauen besitzen inzwischen einige Vorbilder.

Auch in Ihrer Tätigkeit geht es um Minderheiten: Aktuellen Schätzungen zufolge leben in der Schweiz rund 400‘000 Menschen, die an einer der zirka 5000 seltenen Krankheiten leiden. Von einer seltenen Krankheit sind also nur wenige betroffen.
Ja, wir behandeln zum Beispiel hierzulande für eine bestimmte Krankheit gerade einmal 9 erkrankte Jungen.

Warum ist dieser Bereich für Shire dennoch attraktiv?
Nur für fünf Prozent der seltenen Krankheiten gibt es eine zugelassene Therapie, d. h. der medizinische Bedarf ist hoch. Zudem stehen Patienten mit ihrem Krankheitsbild oft alleine da: es gibt wenige Patienten, wenig Erfahrung und meist lange Wege bis zur Diagnose. Diese Lücke versuchen wir zu füllen. Wir eigneten uns über die Jahre wertvolle Erfahrungen an, um Ärzten und Patienten unsere Expertise anbieten zu können.

Kennen Sie Ihre Patienten?
Über Ärzte und Patientenorganisationen erhalten wir anonymisiert Informationen über die Therapieentwicklung unserer Patienten. Beispielsweise, dass einer dieser betroffenen Jungen nun eine Berufslehre in Angriff nehmen kann. Vor nicht allzu langer Zeit wäre es unwahrscheinlich gewesen, dass der Junge mit dieser seltenen Krankheit überhaupt ein solches Alter erreichen würde. Das motiviert mich und ist ein schöner Lohn für unser Engagement.

Weiten wir den Blick auf die gesamte Pharmabranche. Denken Sie, dass die Zukunft der Branche wieder mehr Konstanz bringen wird?
Auf keinen Fall. Wir müssen als Arbeitnehmer lernen, im Wandel die Konstanz zu finden. Wandel ist der neue Dauerzustand. In unserem dynamischen Umfeld bringt es nichts darauf zu warten, dass es ruhiger wird.

Im „Wandel Konstanz zu finden“ tönt nicht ganz einfach. Wie soll das gehen?
Einer der Shire Werte lautet „Manage yourself and others“. In unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig, sich Reflexionszeit, Zeit zum Abschalten zu nehmen. Es geht darum, im Wandel seine ruhige Insel zu finden. Wir machen gute Erfahrungen mit Coachings und bauen diese weiter aus: im Team, virtuell, über die Funktionen hinweg. Wir haben zudem stressreduzierende Angebote wie Yoga, Mindfullness-Thinking Sessions, Ruheräume und so weiter.

Integrieren Sie auch Massnahmen in Ihren eigenen Alltag als Führungskraft?
Ja, ich biete meinen Mitarbeitenden zum Beispiel Walking – One-To-One an – entweder führen wir das Meeting im Meetingraum oder eben draussen spazierend durch.

Im Kontext dieses Wandels. Wie sehen Sie die Zukunft?
Sehr positiv. Unsere Pipeline ist gefüllt mit rund 40 Produkten. Wenn wir es weiterhin schaffen, nicht im Rad zu drehen ohne zur Ruhe zu kommen, dann eröffnen sich laufend weitere Perspektiven. Ich bin überzeugt, so erhält die Kreativität Raum und schafft neue Innovation.

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