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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Die Mischung zwischen Moderne und Tradition macht die Kunst einer guten Rehabilitation aus

Dr. Till Hornung, CEO / Vorsitzender der Geschäftsleitung der Kliniken Valens, hat als Arzt in der Rolle des Managers seinen Traumberuf gefunden, baut am Stadtspital Triemli einen weiteren Standort auf und berichtet von Innovationen.

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Ja, ich wollte schon immer Arzt werden.

Dieses Ziel erreichten Sie auch – als erste Etappe Ihrer Laufbahn. Heute sind Sie CEO / Vorsitzender der Geschäftsleitung der Kliniken Valens. Welche weiteren Etappen prägten Ihre Karriere?

Sicherlich die Zeit als Unternehmensberater, als ich das Handwerk der Methodik, Struktur und Organisation lernte. Davon profitiere ich noch heute. Die Führung des ersten Krankenhauses stellt für mich ebenfalls einen grossen Meilenstein dar. Da merkte ich, dass ich meinen Traumberuf gefunden habe.

Was macht Sie in Ihrer Funktion erfolgreich?

Mein gewisser Erfahrungsschatz und die Tatsache, dass ich meine Arbeit spannend finde und wirklich sehr gerne mache. Ich glaube, dass das auch auf meine Mitarbeitenden motivierend wirkt. Generell nehme ich mein Umfeld hier in Valens als ausserordentlich motiviert, erfahren und interessiert am Thema Rehabilitation wahr.

Wie lassen sich Misserfolge konkret verhindern?

Indem man ganz einfach miteinander redet. Viele Fehlerquellen lassen sich im Gespräch eliminieren.

Setzen Sie in der Kommunikation generell auf das persönliche Gespräch?

Ja, es steht bei uns an erster Stelle. E-Mail nutze ich beispielsweise nur als reinen Informations-Übermittlungskanal. Ich rufe jemanden lieber an, als dass ich eine E-Mail verfasse. Oder ich reagiere auf eine E-Mail mit einem Rücktelefonat. Gerade bei vielen guten und erfahrenen Leuten im Unternehmen ist das gemeinsame Gespräch das allerbeste Führungs- und Steuerungsinstrument.

Gratulation zum erfolgreichen Projekt: Sie bauen am Stadtspital Triemli in Zürich eine multidisziplinäre Rehabilitationsklinik auf. Wie ist der aktuelle Stand?

Aktuell führen wir den Wettbewerb durch, um das  beste Architektenteam zu finden. 2019 wird dann projektiert, und 2020 rechnen wir mit der Baubewilligung. Ende 2022 soll der neue Standort eröffnet werden.

Welches Potential bietet das Projekt?

Unsere 3 bisherigen Standorte sind sehr schön gelegen – mit dem neuen Standort in Zürich bieten wir dem Patienten nun ergänzend Stadt- und Spitalnähe an – das ist für viele Krankheitsbilder eine wichtige Option. Durch die inhaltliche Erweiterung ist das Potential enorm.

Mit den Fusionen 2011 und 2015 und dem Projekt in Zürich erleben Ihre Mitarbeitenden ständig Veränderungen. Wie führen Sie erfolgreich durch den Wandel?

Wir versuchen, die Prozesse transparent und die Kommunikation offen zu gestalten. Grundsätzlich vertreten wir die Haltung, dass diese Veränderungen uns allen helfen, uns konsequent weiterzuentwickeln. Und das ist ja etwas sehr Positives.

Trotzdem treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander.

Absolut, und das ist auch gut so. Wir glauben an die Buntheit unserer Standorte und lassen bewusst Eigenheiten, Charakter und Gestaltungsspielraum zu. Aus diesem bunten, pluralistischen Gesamtsystem entstehen schliesslich immer wieder neue Energien.

Sind Sie nach den Fusionen der vergangenen Jahre weiter auf Wachstumskurs?

Wachstum ist grundsätzlich nicht unser erklärtes Ziel. Der Markt ist jedoch im Umbruch. Wenn sich interessante Opportunitäten ergeben, werden wir diese auf jeden Fall prüfen.

Die Geschichte der Valenser Kliniken beginnt vor Hunderten von Jahren mit der Thermalquelle als Ursprung des Reha-Zentrums sowie viel guter Bergluft. Finden solch „altbewährte“ Methoden heute noch Platz im Therapieplan?

Wir empfinden es als sehr spannend, moderne wissenschaftlich erforschte Anwendungsbereiche mit solcherlei Methoden zu verknüpfen. Warmes Heilquellwasser alleine erzeugt klinisch nur sehr wenig messbare Effekte. Trotzdem kann es eine entspannende Massnahme sein, und damit in einem durchdachten interdisziplinären Therapieprogramm einen grossen Nutzen für den Patienten generieren. Die Mischung zu finden zwischen Tradition und Moderne und zwischen Erfahrung und Innovation ist meiner Meinung nach das, was eine gute Rehabilitation auszeichnet.

Und wie findet man die perfekte Mischung?

Wir sind stark der evidenzbasierten, medizinischen Therapie verpflichtet. Von unserer 800-köpfigen Belegschaft sind mehr als die Hälfe fachlich sehr breit und strukturiert ausgebildete Fachkräfte. Wir tauschen uns dabei aber laufend über optimale Therapiepläne und interessante Ergänzungen aus und sind offen für Ideen. Vor einigen Jahren führte eine unserer Mitarbeiterinnen eine sehr spannende Studie zum Thema Klettertherapie durch. Es zeigten sich positive Effekte und mittlerweile ist diese Form der Klettertherapie für viele Patienten Standard in dem Therapieplan.

Innovation entsteht also bei Ihnen vor Ort?

Ja, wir sind eine weltoffene Klinik und führen viele eigene Forschung durch.

Ein wichtiger Attraktivitätsfaktor auf dem Arbeitsmarkt. Gibt es weitere?

Wir pflegen ein angenehmes Klima des Austausches und des „Voneinander-Lernens“. Zudem sind die Kliniken Valens im Reha-Bereich wirklich eine ziemlich starke Marke und bekannt dafür, gute Therapien und viele spannende Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu bieten.

Von wem haben Sie persönlich etwas gelernt, das Sie für die Zukunft mitnehmen?

Gerade in den letzten Jahren habe ich vieles von unseren Patienten gelernt: Diese erlitten zum Teil sehr harte Schicksale oder leiden an schweren Krankheiten. Viele unserer Patienten entwickeln dadurch aber erstaunliche Kräfte und finden trotzdem neuen Lebensmut. Ich empfinde dadurch Demut vor dem Leben und vor dem, was vielen von uns „Gesunden“ als so selbstverständlich erscheint. Zudem habe ich gelernt, dass das „Miteinander-Reden“ bereits beim Patienten anfängt. Unsere Patienten durchlaufen ein intensives Programm, gerade da besteht Gesprächsbedarf. Reden und der Austausch auf Augenhöhe ist ein ganz wichtiger Teil der Genesung.

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