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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Mit Durchhaltewillen lässt sich einiges bewegen

Von einem „Nein“ lässt er sich nicht aufhalten: Marcel Plattner bewegt viel als CEO der Gebro Pharma AG und als Präsident der vips (Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz). Dazu brauche es Engagement und eine Portion Hartnäckigkeit. Lesen Sie im Interview über seine Karriere und Zukunftsaussichten.

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

An einen spezifischen Beruf kann ich mich nicht erinnern. Mich sprachen Fakten und Zusammenhänge an. Deshalb war schon früh klar, dass es in Richtung Naturwissenschaften gehen soll.

Heute sind Sie CEO der Gebro Pharma AG. Haben Sie diesen Weg so geplant?

Nicht Schritt für Schritt. Ich setzte mir jedoch sehr früh zum Ziel, eine Führungsrolle wahrzunehmen.

Was reizte Sie daran?

Ich wollte in erster Linie etwas bewegen können und Einfluss nehmen.

War das Wunschdenken oder ist es wirklich möglich, etwas zu bewegen?

Ich kann tatsächlich viel bewegen – allerdings geht das nicht alleine. Dazu braucht es ein kompetentes Team, das Impulse weitertreibt.

Sehen Sie das aus Sicht des Präsidenten der vips ebenfalls so?

Ja, auch politisch ist es möglich, etwas zu bewegen, wenn man über die notwendigen Fakten verfügt. Es braucht einfach sehr viel Engagement und Durchhaltewillen. Ein Nein, eine Ablehnung oder andere Haltungen gehören zum Geschehen dazu. Wer bereit ist zu kämpfen und hartnäckig zu bleiben, kann in kleinen Schritten sehr vieles in eine gute Richtung lenken.

Das braucht bestimmt eine Menge Energie. Hatten Sie nie die Nase voll?

Klar gab es Momente, in denen ich den Kopf schütteln musste. Man sollte sich nicht durch Kritiker entmutigen lassen und es einfach nochmals und nochmals und nochmals probieren. Wenn man dann etwas erreicht und einen Glücksmoment erlebt hat, ist man wieder voller Mut und bereit für die nächsten Hürden.

Sie bezwangen bereits einige Hürden erfolgreich. Zu welchen wichtigen Erkenntnissen gelangten Sie auf Ihrem Weg?

Besonders wenn ein Ziel nicht unmittelbar erreichbar ist, wird es herausfordernd. Man sollte den Mut haben, selbst zu beurteilen, ob es sich lohnt, ein Ziel weiterzuverfolgen oder es loszulassen. Also nicht nur auf andere hören. Bei mir entwickelte sich damit auch meine Persönlichkeit weiter.

Auf der Website der Gebro Pharma AG fällt auf, dass Sie Ihre Mitarbeitenden inklusive des Praktikanten persönlich mit Bild vorstellen. Das ist sehr aussergewöhnlich. Was für eine Philosophie steckt dahinter?

Man sieht es auf den ersten Blick: Bei uns sind die Mitarbeitenden nicht einfach Nummern. Es sind Menschen, die unsere Leistungen erbringen. Wir wollen unseren Kunden auch als persönliche Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Welche besonderen Anforderungen stellen Sie an einen Bewerber/eine Bewerberin, der/die nicht bloss eine Nummer sein wird?

Kandidaten sollten sich mit der Grösse und den Werten, die wir in unserem Familienunternehmen leben, identifizieren können. Es geht darum, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, sich zu engagieren und über den Tellerrand hinauszusehen. Ganzheitliches Denken ist zentral. Bei uns kennt jeder jeden: Man tauscht sich aus. Auch gibt es Möglichkeiten, bei besonderen Lebensumständen eines Mitarbeitenden auch einmal individuelle Lösungen zu finden.

Das ist ein grosser Mehrwert für die Mitarbeitenden. Wie gelingt es Ihnen, gute Mitarbeitende im Unternehmen zu halten?

Wir können punkto Gehälter nicht mit den internationalen Pharmamultis mithalten. Unsere Mitarbeitenden erhalten jedoch die Möglichkeit, sich zu engagieren und zu beeinflussen. So können sie beispielsweise unmittelbar sehen, für welche Resultate sie massgebend verantwortlich sind. Das macht glücklich. Zudem bieten wir freie Gestaltungsmöglichkeiten für unterschiedliche Positionen an. Das schätzen besonders unsere langjährigen Mitarbeitenden sehr.

Werden Sie auch in Zukunft diesen Weg als Familienunternehmen weitergehen?

Ja, wir sind ein unabhängiges Unternehmen. Und diese Unabhängigkeit wollen wir auch künftig behalten, dafür kämpfen wir Tag für Tag.

Ist es denn als kleiner unabhängiger Player im schnelllebigen Pharmabusiness überhaupt möglich, noch am Ball zu bleiben?

Erhaltung der Unabhängigkeit bedeutet nicht, dass man rückständig ist. Im Gegenteil: Es heisst, ich bestimme selbst meine Zukunft – unabhängig von irgendwelchen Geldgebern. Es bedeutet auch nicht, dass man keine Partnerschaften schliesst. Netzwerke und Kooperationen sind für uns sehr wichtig. So bleiben wir auf jeden Fall am Ball.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage der Gebro Pharma AG in Bezug auf die langjährige Unternehmensentwicklung?

Über die letzten 10 Jahre hinweg hat sich unser Umsatz verdreifacht – trotz Rückschlägen an der Preisfront. Aufgrund der Preisdiskussionen gehen wir nicht davon aus, dass es so dynamisch weitergeht. Preissenkungen machen uns aktuell zu schaffen. Trotzdem sind wir optimistisch, was die Zukunft anbelangt.

Wie soll diese aussehen?

Wir werden uns weiterhin auf die Hauptbereiche Rheumatologie/Schmerztherapie, Dermatologie sowie Husten und Erkältung fokussieren und diese weiter mit innovativen Lösungen ausbauen. Neben den kassenvergüteten Produkten investieren wir stark in das OTC-Geschäft. So rechnen wir weiterhin mit einem Wachstum.

Welche Ziele verfolgen Sie im Moment mit höchster Priorität für die vips und weshalb?

Zum einen kämpfen wir für ein vernünftiges Zulassungssystem. Zum anderen setzen wir uns für faire Rahmenbedingungen bei der Vergütung ein und sagen klar „Nein“ zu Referenzpreisen für Medikamente. Wir möchten einen grösseren Schaden für die Schweizer Bevölkerung verhindern, was uns nur mit vernünftigen Rahmenbedingungen und einer Gesamtoptik gelingt.

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