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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Das Leben ist auch eine gute Schule

Christoph Lögler, seit April 2019 Geschäftsführer der shqa (swiss health quality association), lebt den Slogan des Vereins „lifelong learning“ gleich selbst vor. Warum eine berufsfremde Weiterbildung wertvoll sein kann und mit welchem Führungsstil er die Herausforderungen der Zukunft meistern will, erklärt er in diesem Interview.

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Als Jugendlicher träumte ich davon, Sportartikelhändler zu werden. Damals war Skifahren für mich das Grösste. Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen.

Heute sind Sie Geschäftsführer der shqa. Sie haben demnach einen anderen Weg eingeschlagen?

Nein, die Laufbahn hat sich dahin entwickelt. Ich startete im Konsumgüter-Marketing und arbeitete später in verschiedenen Positionen für einen Schweizer Pharmakonzern. Meine Aufgaben bereiteten mir sehr viel Freude. Der Wechsel zur shqa stand deshalb nicht auf meinem Plan. Als mich die Anfrage erreichte, war ich überrascht.

Wie reagierten Sie auf die Überraschung?

Zunächst mit Skepsis. Ich blieb jedoch offen und erkannte plötzlich diverse Opportunitäten. Vielleicht sogar verborgene Wünsche, welche diese Position zum Vorschein brachte.

Welche Gedanken gingen Ihnen bei dieser wichtigen Entscheidung durch den Kopf?

Ich realisierte die Chance, nach vielen Jahren in der Big Pharma, nochmals etwas Neues in Angriff nehmen zu können. Das machte mich neugierig. Ich fühlte mich motiviert, wieder ein kleines Team zu führen, gemeinsam Entscheide zu treffen und zu verantworten. Die raschen Umsetzungswege ermöglichen es, Dinge anzupacken, zu realisieren und Resultate zu erkennen.

Nun sind Sie seit April in der Funktion als Geschäftsführer der shqa tätig. Welche Ihrer persönlichen Fähigkeiten würden Sie in der neuen Rolle mit Bestnoten bewerten?

Ich zeichne mich durch einen kollaborativen Führungsstil aus. Das bedeutet, dass ich auf das proaktive  Engagement meiner Mitarbeiter zähle. Eigenverantwortlichkeit und flache Hierarchien erfordern es, gut zuhören zu können und Verantwortung abzugeben. Natürlich braucht es auch ein Team, das gerne Verantwortung übernimmt und damit umgehen kann.

Der Slogan der shqa lautet „lifelong learning“. Hat man wirklich nie ausgelernt?

Das Leben ist eine gute Schule – jede Erfahrung ein Lehrer. Aus dieser Perspektive hat man nie ausgelernt. Stillstand birgt im Beruf letztlich die Gefahr, dass man aufs Abstellgleis gerät.

Woran merkt man, dass es Zeit ist für eine Weiterbildung?

Beispielsweise bei Interesse an einem Job-Wechsel, als Schub zur Erreichung des nächsten Karriereziels oder klassischerweise erfordert auch die rasante Entwicklung, dass Berufserfahrene sich weiterbilden. Es erscheint mir zudem wertvoll, einfach aus purem Interesse einmal eine berufsfremde Weiterbildung zu absolvieren, z. B. kenne ich eine Kollegin, die Chinesisch lernte und dadurch neue Energie schöpfte.

… als Freizeitprojekt?

Nicht unbedingt. Gerade solche Horizonterweiterungen können inspirierend sein und einen im Beruf beeinflussen. Man lernt in Weiterbildungen oft viel mehr als nur den Kursinhalt.

Wie meinen Sie das?

Ich absolvierte kürzlich einen CAS in Customer Intelligence. Meine Mitstudierenden befanden sich alle in einem komplett anderen Lebensabschnitt – sie waren zirka 25–35 Jahre alt. Wie werde ich da aufgenommen? Komme ich überhaupt noch mit? Wie finde ich mich zurecht? Nur schon diese Erfahrung allein fand ich spannend. Man erweitert in Kursen beispielsweise auch sein Netzwerk oder gewinnt neue Perspektiven.

Sie sind offensichtlich selbst ein gutes Beispiel für „lifelong learning“. Was treibt Sie an?

Neugierde. Das Weiterbildungsangebot hierzulande ist sehr breit. Das ist genial.

Wie grenzt sich die shqa bei dem breiten Weiterbildungsangebot ab?

Unser Herzstück ist der Bezug zum Schweizer Gesundheitswesen und den geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Unser Vorteil liegt darin, dass wir mit Referenten und Referentinnen arbeiten, die Koryphäen sind im Schweizer Markt. Davon profitieren viele Firmen, so beispielsweise, wenn ein europäisches Cluster entsteht, und jemand folglich für den Schweizer Markt zuständig wird.

Die shqa hat ihr Weiterbildungsprogramm ausgebaut und bietet neu Tageskurse an. Wie kam es dazu?

Ja, wir führen die shqa Academy sehr erfolgreich. Die Idee entstand im Dialog mit unseren 77 Mitgliederfirmen  in Liefescience, die auf das Bedürfnis hingewiesen haben.

Wechseln wir die Perspektive. Was bringen Abschlüsse wie zum Beispiel der zertifizierte Medizintechnik- Berater oder der Pharmaspezialist mit eidg. Fachausweis dem Schweizer Markt?

Im Gegensatz zu den umliegenden Ländern existieren in der Schweiz keine Bestimmungen, welche Ausbildung z. B. der Berater oder die Beraterin eines Arztes haben sollte. Wir generieren mit den Abschlüssen deshalb Qualität im Kundenkontakt. Das ist in dieser Branche zentral. Generell bewegen wir uns im Schweizer Gesundheitswesen in einem stark regulierten und auch komplexen Umfeld. Da sind Standards wichtig.

Welchen wichtigsten Herausforderungen stellt sich die shqa in nächster Zukunft?

Unser Angebot ist auf unsere Mitgliederfirmen und deren Anforderungen ausgerichtet. Die shqa reflektiert sich laufend und aktualisiert ihr Programm. Dies als Verein in einem kleinen Team zu gewährleisten, empfinde ich als Herausforderung. Wir begegnen dieser Herausforderung damit, dass wir unsere Begeisterung hochhalten und sich jeder Einzelne engagiert. Zudem sind wir auch dankbar, dass sich viele Professionals aus den Mitgliederfirmen immer wieder zur Verfügung stellen und sich aktiv in Arbeitsgruppen einbringen.

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