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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Firmenerfolg beginnt bei jedem einzelnen Team-Member

Dr. Tytus Litynski, General Manager und Verwaltungsratsmitglied der Alfasigma Schweiz AG, interessiert sich für neue Ansätze im Leadership. Für ihn hängt der Erfolg eines Unternehmens nicht nur von den angebotenen Produkten oder Dienstleistungen ab, sondern massgeblich von der Motivation und Produktivität eines kompetenten, kreativen und vertrauten Teams.

Vor rund 6 Jahren fusionierten die zwei italienischen Familienunternehmen Alfa Wassermann und Sigma-Tau zur neuen Gesellschaft Alfasigma, die durch diese Zusammenlegung zu einem der fünf grössten Pharmaunternehmen Italiens wurde. Sie waren damals bei Sigma-Tau tätig, wie haben Sie diese Zeit der Fusion erlebt?

Die Fusion fand in Italien und auf internationaler Ebene statt. Da es in der Schweiz keine Filiale der Alfa Wassermann gab, war es für uns lokal eher ein Rebranding als eine echte Fusion. Neben der Neupositionierung im Rahmen der Namensänderung war es vor allem die Aussicht auf mögliche neue Produkte der Alfa Wassermann sowie neue Möglichkeiten in der Zukunft, welche für uns interessant waren.

Was hat sich durch die Fusion verändert?

Seit der Fusion hat Alfasigma eine internationalere Ausrichtung als dies vorher der Fall war. Dies eröffnete neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Ländern und eine andere Wahrnehmung der Firma in der Pharmalandschaft. Für uns in der Schweiz kamen auch neue Therapiefelder hinzu, was eine willkommene Diversifikation des Produkteportfolios mit sich brachte.

Der Hauptsitz von Alfasigma ist in Italien. Wie eigenständig ist die Schweizer Niederlassung in Bezug auf strategische Entscheidungen?

Im Vergleich zu den Länderorganisationen grösserer Pharmafirmen hat unsere Filiale relativ viel Gestaltungsspielraum. Natürlich gibt es Vorgaben des Headquaters bezüglich der Strategie und der strategischen Produkte, aber wir können auch lokale Opportunitäten nutzen, was die Arbeit umso spannender und abwechslungsreicher macht.

Welche kulturellen Einflüsse aus Italien nehmen Sie als General Manager der Alfasigma Schweiz AG wahr?

Italien ist ein Land, in dem der gegenseitige Respekt grossgeschrieben wird. Dies spürt man auch im Mutterhaus, wo ein sehr freundlicher und menschlicher Umgang untereinander herrscht. Auch bei inhaltlichen Differenzen wird respektvoll diskutiert, bis sich eine Lösung ergibt. Ich kenne Italien persönlich schon seit Langem gut, daher konnte ich mich auch in unserem Headquarter rasch zurechtfinden.

Alfasigma Schweiz AG hat den Schwerpunkt auf rezeptpflichtige Medikamente im Spezialistenbereich gelegt mit Fokus auf Schmerztherapie, Gastroenterologie, Gynäkologie und Endokrinologie. In welchem Marktsegment wird Ihres Erachtens zukünftig die Nachfrage am stärksten ansteigen?

Die Gastroenterologie ist aktuell ganz klar das sich am schnellsten entwickelnde Segment. Generell haben wissenschaftliche Erkenntnisse rund um das Mikrobiom unseres Darms, also die bakterielle Flora, in den letzten Jahren stark an Bedeutung zugenommen und es wird viel dazu geforscht. Wir fangen an, zu verstehen, wie mannigfaltig der Einfluss des Mikrobioms auf die Gesundheit des Menschen ist, aber es gibt immer noch sehr viel Entwicklungspotenzial in diesem Bereich.

Was beschäftigt Sie als General Manager bei Alfasigma Schweiz AG zurzeit am meisten?

Mir ist es vor allem wichtig, dass wir stets Produkte mit einem echten Mehrwert anbieten können. Als mittelständisches Familienunternehmen wollen wir ein kompetenter und vor allem vertrauenswürdiger Partner für Patienten und Akteure im Gesundheitswesen sein. Eine Firma kann nur dann gut funktionieren, wenn die Mitarbeitenden zufrieden, motiviert und produktiv sind. Daher sind eine sinnvolle Teamstruktur und die richtigen Mitarbeitenden an der richtigen Stelle sehr wichtig, damit das Engagement jeder und jedes Einzelnen voll zum Tragen kommen kann.

Während Ihres Studiums an der Universität Basel haben Sie in unterschiedlichen Pharmaunternehmen gejobbt. War für Sie schon damals klar, dass Sie in der Pharmaindustrie Fuss fassen würden?

Das hat sich tatsächlich schon relativ früh herauskristallisiert, da mir die Studentenjobs bei den grossen Basler Pharmafirmen stets sehr gefielen und ich dabei viel lernen konnte. Dies hat mir erlaubt, einen Einblick in die Welt von multinationalen Unternehmen zu erhalten, die als Anbieter von abertausend Arbeitsstellen und als Forschungs- und Innovationszentren mit sehr konkreten, positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen fungieren. Dadurch konnte ich deren Wichtigkeit für die Gesellschaft und die Wirtschaft verstehen.

Sie haben im Gebiet der Sozialwissenschaften promoviert. Inwieweit hilft Ihnen dieses Wissen im Arbeitsalltag als General Manager?

In meiner Dissertation beschäftigte ich mich mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Funktion und der sozialen Rolle des «Managers» während und nach der Bankenkrise 2008/2009. Meine Forschung ging zwar von Bankenmanagern aus, aber die Erkenntnisse lassen sich auf Manager oder Führungskräfte im Allgemeinen übertragen. Die Balance zwischen Profitorientierung und gesellschaftlicher Verantwortung und wie damit umgegangen wurde bzw. werden sollte sind spannende Aspekte, welche mich und jede Führungsperson direkt betreffen. Insofern hat meine Dissertation viel mit meiner Arbeit und dem mich sehr interessierenden Thema des Leaderships zu tun.

Was zeichnet Ihren Führungsstil aus?

Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Führungskraft heutzutage nicht auf allen Gebieten spezialisiert sein muss. Deswegen geht es mir nicht darum, meinem Team vorzuschreiben, was zu tun ist, sondern gemeinsam nach den besten Lösungen für anstehende Probleme zu suchen. So können neue Ideen entstehen, welche vom ganzen Team mitgetragen werden, was viel produktiver ist als Top-Down-Vorgaben. Vor allem ist es mir wichtig, ehrlich und glaubwürdig zu kommunizieren, denn das ist die Basis für gegenseitiges Vertrauen, welches wiederum der Grundstein für Zufriedenheit, Motivation und Performance ist. Ehrliche Kommunikation bedeutet dabei nicht, alles mit jedem zu besprechen. Vertraulichkeit ist schliesslich in jeder Organisation bis zu einem gewissen Grad notwendig. Ehrliche Kommunikation ist auch zugeben zu können, dass man selbst nicht immer eine Antwort auf eine Frage hat. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern des Vertrauens in die Kreativität des Teams, gemeinsam die richtige Antwort zu finden.

Wie fördern Sie die Leidenschaft und die Freude an der Arbeit bei Ihren Mitarbeitenden?

Psychologische Sicherheit, d. h. keine Angst davor haben zu müssen, z. B. wegen eines Fehlers blossgestellt zu werden, ermöglicht mehr Gelassenheit und Freude bei der Arbeit, weil negativer Druck und Stress wegfallen. Daraus folgen – vereinfacht gesagt – intrinsische Motivation und Freude bei den eigenen Aufgaben schon fast von selber. Freude haben Menschen dann, wenn sie sich nicht ständig und unnötig Sorgen machen müssen. Gute Leader sollten ein Arbeitsklima schaffen, in dem sich das ganze Team gefördert, unterstützt aber auch im positiven Sinne herausgefordert fühlt. Ehrliche Dankbarkeit und echte Wertschätzung bringen die essenzielle Menschlichkeit in die oft sehr sachliche Geschäftswelt.

Wie können Arbeitgeber aus Ihrer Sicht die jüngere Arbeitnehmer-Generation am besten abholen?

Vertrauen, Gestaltungsraum, direkte und ehrliche Kommunikation sowie eine gewisse Lockerheit auch bei ernsten Business-Themen sind in meinen Augen die Kriterien, welche für junge Menschen heute bei der Arbeit wichtig sind. Uns selbst nicht so wichtig nehmen, sondern auch jungen Menschen, welche noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen, mit Offenheit und Respekt begegnen – das schafft diverse, motivierte und kreative Teams. Wir bieten gerne auch Teilezeitstellen und flexible Arbeitsmodelle an, was zunehmend geschätzt wird.

Welche Menschen inspirieren Sie?

Ich bewundere Menschen, welche den Mut aufbringen, beruflich und/oder privat den eigenen Weg zu gehen, auch wenn dieser, zumindest oft am Anfang, steinig ist. Die eigene Idee zu verfolgen, unabhängig von Widrigkeiten, Kritik von Aussen und finanziellen Nöten, ist eine bewundernswerte Gabe.

In der Freizeit trifft man Sie an Felswänden an, was begeistert Sie am Klettern?

In der Vertikalen schaltet man automatisch ab und fokussiert sich nur auf die nächste Bewegung. Das ist ein wertvoller Ausgleich zur heutigen «Multitasking-Welt» mit ihrer ständigen Informations- und Reizüberflutung. Und wenn ich bei einer anspruchsvollen Kletterroute oben ankomme, ist der Mix aus körperlicher Anstrengung, Adrenalin und Glücksgefühlen einfach überwältigend.

Ihr Lieblingsplatz, an dem Sie sich sehr gerne aufhalten?

Ich habe keinen spezifischen Lieblingsplatz, jedoch geben mir ein schönes Panorama sowie kräftiger Sonnenschein viel Energie. Daher verbringe ich gerne Zeit im Freien, besonders an einem See oder am Meer, aber auch in den Bergen. Ein weiter Horizont und viel Luft zum Atmen wirken auf mich befreiend und belebend. Das ist der beste Ausgleich zur Computerarbeit im Büro oder Homeoffice.

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