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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Gewinnbringende und herausfordernde Übernahme

Der langjährige Geschäftsleiter der Mathys (Schweiz) GmbH, Thomas Schärer, spricht im Stettler CEO Talk über die Auswirkungen der Übernahme durch den US-Konzern Colfax Corporation und erklärt, wo er – inmitten der Transformation – seinen Führungs-Fokus setzt und, warum das Segeln in seinem Leben nicht wegzudenken ist.

Die Tochtergesellschaft Mathys (Schweiz) GmbH, zuständig für den Schweizer Markt, ist eine von 11 Niederlassungen des Schweizer Orthopädieunternehmens Mathys AG Bettlach.

Thomas Schärer, Sie können im April auf 12 Jahre Tätigkeit als Geschäftsleiter der Mathys (Schweiz) GmbH zurückblicken. Welches Ereignis würden Sie als besonders einschneidend bezeichnen?

Die Übernahme der Mathys AG im Sommer 2021 durch die amerikanische Firma DJO, Tochtergesellschaft des US-Konzern Colfax Corporation, ist für uns als Traditionsfirma sehr einschneidend gewesen. Dieser Zusammenschluss ist mit sehr vielen positiven Aspekten aber auch mit grossen Herausforderungen – insbesondere auch für unser Team – verbunden. Wir sind inmitten einer Transformation, die einen Wandel im Denken und Handeln forciert.

Welches Potenzial hat dieser Zusammenschluss für die Schweiz? Was erhoffen Sie sich davon?

Unsere Position im wachsenden Markt für künstliche Gelenke können wir dadurch klar ausbauen. Für uns  öffnet sich dadurch eine wichtige Türe, um in den nordamerikanischen Markt eintreten zu können.

Wir hoffen, dass wir neue innovative Produkte auf den Markt bringen können und dass wir die europäischen regulatorischen Anforderungen im Rahmen der MDR gestärkt und souverän bewältigen können.

Mathys (Schweiz) GmbH musste sich immer wieder gegen grosse Konkurrenten behaupten. Können Sie bereits einen positiven Synergieeffekt durch die Übernahme erkennen?

Wir können bereits dieses Jahr das neues Kniesystem «EMPOWR 3D» und die «Altivate Standard Reverse» Prothese von DJO in unseren Hauptmarkt, also den Schweizer Markt, einführen.

Pipeline 2022 – Was dürfen wir weiter erwarten?

In diesem Jahr werden wir zusammen mit den bereits genannten Implantaten, insgesamt fünf neue Produkte lancieren. Im Hüftbereich wird unser Erfolgsprodukt, die «RM Pressfit vitamys» Hüftpfanne mit erhöhter Luxationssicherheit erhältlich sein. Im Bereich Schulter lancieren wir mit dem zementfreien «Affinis» Glenoid (die äussere Gelenkpfanne des Schulterblattes) eine Weltneuheit. Für die Heilung des gerissenen Kreuzbandes kommt mit dem «Ligamys S» eine neue, minimal invasive Implantat-Generation auf den Markt.

Colfax plant DJO als neue Firma Enovis an die Börse zu bringen. Welche Auswirkungen wird dies für die Mathys (Schweiz) GmbH haben?

Unsere Standorte, die Marke Mathys und die Produktbrands werden weiterhin bestehen bleiben.

Mit der Trennung vom grossen Industriebereich ESAB (Schweiss-/Schneidetechnologien) kann sich Enovis auf die Medizintechnik fokussieren, mit medizinischen Fachkräften zusammenarbeiten und unser umfangreiches Angebot an Produkten, Dienstleistungen sowie integrierten Technologien und Innovationen fördern.

Inwieweit wird die eher konservative Kultur des Familienunternehmens Mathys (Schweiz) GmbH mit DJO nun aufgebrochen?

So eine Übernahme bedeutet für ein Schweizer Traditionsunternehmen eine grosse Transformation, die mit erheblicher Unsicherheit verbunden ist. Diesen Prozess gilt es sehr gut zu begleiten, ansonsten bricht das, was bereits aufgebaut wurde, zusammen. Die innere Kontinuität und Stabilität können bei einer Übernahme rasch auseinanderfallen.

Wie begleiten Sie als Führungsperson diesen Transformationsprozess – wo legen Sie Ihren Fokus?

Mein Führungsstil ist flach angelegt und die Teamleistung steht absolut im Vordergrund. Ich bin überzeugt davon, dass der Fokus auf die Teamleistung der Grund ist, warum wir ein bis zu zweistelliges Wachstum in den letzten Jahren verzeichnen konnten.

Durch stetige Teamentwicklung arbeiten wir nach wie vor intensiv an der Teamkultur, um sie weiter zu stärken. Denn nur wenn wir als Team stabil sind, können wir gestärkt aus dem Transformationsprozess hervorgehen. Zudem ist die Nahbarkeit der Firma für die Kundinnen und Kunden weiterhin ein essenzieller Aspekt, den wir aufrechterhalten wollen.

Wenn Sie die 12 Jahre Mathys (Schweiz) GmbH resümieren – auf was sind Sie besonders stolz?

Dank der engen Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden ist es gelungen, mit bewährten Konzepten und innovativen Technologien den Patientinnen und Patienten wieder mehr Bewegungsfreiheit zu geben, um ihnen damit eine gute Lebensqualität bestmöglich zu erhalten.

Sie sind praktisch mit dem Segelboot geboren … bereits mit 3 Monaten waren Sie auf dem Segelboot Ihres Vaters mit dabei. Das Segeln begleitet Sie durch Ihr ganzes Leben, von Binnengewässern bis zu Hochseeregatten. Was bedeutet Ihnen das Segeln?

Das Segeln ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Mit dem Boot auf dem Wasser, das ist ein Ort, wo ich zur Ruhe komme, mich gleichzeitig körperlich betätigen kann und durch die grosse Routine ist es auch ein Ort, wo ich gut nachdenken, Kraft und Ausgeglichenheit tranken kann. Es ist auch ein Ort, wo ich gewisse Dinge, wie zum Beispiel geschäftliche Herausforderungen «abwettern» kann.

Dann waren Sie lange auch begeisterter Bergläufer …

Ja, das war ein sehr bereicherndes Hobby. Während des Berglaufens entstanden unglaublich viele Ideen für geschäftliche Problemlösungen und Strategien. Vor ein paar Jahren bin ich dann ein bisschen kürzergetreten und bin auf Langlauf, eine sanftere Sportart, umgestiegen.

Wenn Sie etwas mit einem Fingerschnipp ändern könnten, was wäre das?

Zurückfinden von einem heute überregulierten Gesundheitswesen zu einem praktikablen System, das Innovation in Europa auch zukünftig zulässt und für die Bevölkerung sowie die MedTech-Unternehmen finanziell tragbar bleibt.

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