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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Die ausgeschriebene Stelle als CEO war mein Traumjob

Seit 8 Jahren steht Caroline Meynis de Paulin an der Spitze des bald sieben-köpfigen MedTech-Unternehmens Schmitz AG. Obwohl sie damals nur die Hälfte der Stellenanforderungen mitgebracht hat, wurde sie als CEO eingestellt. Im Stettler CEO Talk spricht sie über ihren Karrieresprung zum Traumjob, den Auf- und Ausbau der Firma und warum sie besonders gerne alte Möbel restauriert.

Caroline Meynis de Paulin, wenn Sie zurück auf die letzten 8 Jahre als CEO der Schmitz AG blicken, an welche Highlights erinnern Sie sich besonders gerne?

Mein erstes Highlight war die Einweihung und Inbetriebnahme unseres Büros. Als ich damals als CEO begann, war ausser zwei Mitarbeitenden im Aussendienst nichts vorhanden. Ein weiteres Highlight war unser unkonventioneller Auftritt bei der IFAS Expo in Zürich. Wir präsentierten unser in Freiburg ansässiges Schweizer Unternehmen mit einem speziell angefertigten Produkt: einem edlen Gynäkologiestuhl mit feinstem Bezug aus medizinisch überprüftem Freiburger Kuhleder.

Ist das gut angekommen?

Natürlich gab es im Vorfeld grosse Diskussionen, denn in der Vergangenheit wurden eher konservative Farben und Vermarktungsstrategien gewählt. Am Ende durfte ich aber das Vertrauen der Geschäftsführung der Muttergesellschaft geniessen und bekam freie Hand. Das hat sich ausbezahlt, an unserem Stand war reger Betrieb. Ob man die Aktion nun frisch oder provokativ fand, unser Stuhl wurde regelrecht ein Running Gag. Unsere kleine Schweizer Firma stand im Rampenlicht. Es entstanden gute Gespräche und neue Geschäftsbeziehungen.

Was waren die grössten Herausforderungen?

Ein Team zu kreieren, das Know-how mitbringt und aufbaut, Verantwortung übernimmt und gut zusammenspielt, das war ein Challenge. Die grösste Herausforderung allerdings war das Verarbeiten von tragischen Ereignissen: Wir hatten in unserem kleinen Team von 6 Mitarbeitenden zwei Todesfälle. Solche Schicksalsschläge im Team zu verarbeiten und gleichzeitig als Team dem alltäglichen Geschäft mit zusätzlichem Einsatz und Elan nachzugehen, ist eine sehr grosse Herausforderung, die mein Team mit Bravour gemeistert hat.

Welche strategischen Ziele verfolgt die Schmitz AG? Sind neue Produkte geplant?

Auf der einen Seite sind wir Marktführer auf dem Gebiet der gynäkologischen Untersuchungsstühle. Diese Marktführerschaft wollen wir weiterhin behalten und ausbauen und in diesen Bereich werden wir im nächsten Jahr 2023 neuen, frischen Wind bringen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran ­ auch was die Schulung unserer Händler anbelangt.

Auf der anderen Seite stecken wir noch in den Kinderschuhen was den Ausbau des Bekanntheitsgrades der Schmitz AG als Herstellerin von mobilen Operationstischen betrifft. Die Konkurrenz ist gross. Dennoch wollen wir uns zukünftig in diesem Segment, auch zusammen mit strategischen Partnerschaften, besser positionieren, besonders im ambulatorischen Bereich.

Die Firma Schmitz und Söhne mit rund 250 Mitarbeitenden ist ein deutsches global tätiges Unternehmen im Bereich medizintechnisches Mobiliar und noch immer in Familienbesitz. Sie haben vorher bereits in MedTech-Grosskonzernen gearbeitet, wo sehen Sie die Vorteile eines Familienunternehmens?

Das Unternehmen Schmitz und Söhne ist seit vier Generationen in Familienbesitz und wächst stetig. Diese grosse Stabilität und dieses Wachstum sind für unsere Schweizer Tochtergesellschaft äusserst positiv. Als Vertriebstochter sind wir stolz darauf, dass wir Qualitätsprodukte einer deutschen Herstellerfirma, die selbst Produktentwicklung und Forschung betreibt, vermarkten dürfen. Die Herausforderung für unser Mutterunternehmen besteht darin, den Sprung von einem Familienunternehmen in ein global tätiges Unternehmen zu meistern, mit dem klaren Ziel in unseren strategischen Märkten nachhaltig zu wachsen und zu den Top 3 Anbietern zu gehören. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unsere gesetzten Ziele erreichen werden.

Sie waren zuvor als Key Account Managerin tätig. Wie haben Sie den eher unüblichen Karrieresprung von der Position als Key Account Managerin zur Position als CEO erlebt?

Für mich persönlich war dieser Sprung etwas ganz Natürliches. Ich war schon immer ein Unternehmertyp. Tatkräftig anzupacken und etwas zu bewegen und aufzubauen liegt mir im Blut. Die damals ausgeschriebene Stelle als CEO war mein Traumjob. Dass ich die Voraussetzungen für diese Position unter Berücksichtigung meiner früheren Tätigkeiten auf dem «Papier» nur zur Hälfte erfüllen konnte und dennoch die Chance bekommen habe, meine Fähigkeiten und mein Wissen als CEO einsetzen zu dürfen, erfüllt mich bis heute mit Freude und Dankbarkeit. Meine absolvierten CAS-Zusatzausbildungen in den Bereichen Health Management und General Management hatten sicherlich auch einen positiven Einfluss auf die Entscheidung, mich als CEO einzustellen.

Welche Fähigkeiten haben Ihnen in Bezug auf Ihre Karriere am meisten geholfen?

Meine Französischkenntnisse haben mir sehr geholfen. Diese habe ich meinem Französischlehrer zu verdanken, der überdurchschnittlich unterstützend war und mich motiviert hat, nach Lausanne zu gehen, um wirklich sattelfest im Französischen zu werden. Mein Wissen aus dem Philosophiestudium hat mir auch immer wieder geholfen, insbesondere wenn es um erfolgreiches Argumentieren geht. Und nicht zuletzt hatte ich auch sehr gute weibliche Vorbilder im Management. Meine Vorgesetzen waren einerseits knallhart und andererseits hatten sie den Mut, Fehlern einen Platz zu geben, um daraus lernen zu können. Das war äusserst förderlich.

Was raten Sie jungen Frauen, die Karriere machen möchten?

Ich bin immer vorsichtig bei Äusserungen zum Thema Karriere. Wenn Karriere heisst, dass man die Arbeit ausführt, an der man Freude hat, dann ist gut. Wenn es aber nur darum geht, eine Machtposition einzunehmen, obwohl man sich dabei sehr unwohl fühlt, würde ich es lieber sein lassen.

Wichtig für die Karriere sind ein starker Wille, Neugierde, Bereitschaft, in die Arbeit zu investieren und sich stets weiterzubilden. Jungen Frauen empfehle ich, in einem grösseren Unternehmen zu starten, um verschiedene Abteilungen durchlaufen zu können. Zudem sollen sie sich mehr selbst vertrauen und auch ungeniert Forderungen stellen.

Wie würden Sie sich in wenigen Worten beschreiben?

Willensstark, anpassungsfähig, humorvoll, optimistisch und zu einem gewissen Grad auch idealistisch.

Wie würden andere Sie beschreiben?

Mein Partner nennt mich oft V8.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Teamorientiert, gegenseitiges Vertrauen, flache Hierarchien, kurze und pragmatische Teammeetings und ich bin eher der Coach.

Was ist für Sie beim Führen das Allerwichtigste?

Fehler im Keim zu ersticken. Das kann nur erreicht werden, wenn eine gute Fehlerkultur vorherrscht, die auch vorgelebt wird.

Was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitenden, worauf legen Sie besonders Wert?

Engagement, Offenheit und Ehrlichkeit. Die geballte Faust in der Tasche ist unerwünscht.

Wenn Sie etwas mit einem Fingerschnipp verändern könnten, was wäre das?

Die Klimaerwärmung stoppen. Ich wohne in den Waadtländer Alpen in Gryon, mache gerne Bergtouren und sehe im Vergleich zu früher statt Gletschern nur noch Geröll. Das gibt mir zu denken. Ebenso – und da kommt meine idealistische Seite zum Vorschein – wünsche ich Lösungen und den Frieden überall dort, wo Krieg herrscht, so auch aktuell in der Ukraine.

Neben Ihrer Arbeit als CEO, welchen Hobbies gehen Sie nach?

Tennis, Klettern, Wandern, Biken, Skitouren und … mein Partner und ich lieben es, alte Möbel zu restaurieren. Wenn ich mit meinen eigenen Händen aus etwas Altem etwas Neues kreieren kann, lacht mein Herz.

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Wie gelingt erfolgreiche Führung im dynamischen Umfeld des Gesundheitswesens? Was macht Arbeitgeber in Pharma, Hospital und Medizintechnik attraktiv? Im Stettler CEO Talk kommen jeden Monat exklusiv Schweizer Führungskräfte zu Wort und bringen auf den Punkt, was sie persönlich und die Branche bewegt.

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